Erörterung schreiben – Aufbau, Gliederung & Tipps

Vorwort

Wer eine Erörterung schreibt, sollte sich in erster Linie darüber im Klaren sein, dass das Hauptziel darin besteht, andere von einer Meinung zu einem Sachverhalt zu überzeugen! Deshalb ist es wichtig, die Argumentation strategisch geschickt aufzubauen. Natürlich gibt es auch formale Vorgaben, die eingehalten werden müssen. Nachfolgend wird beschrieben, wie sich Form und Inhalt inklusive gewählter Sprachmittel dabei so verbinden lassen, dass eine gelungene Erörterung entstehen kann.

Aufbau

Eine Erörterung besteht wie im Prinzip jede Aufsatzform klassisch aus einer Einleitung, einem Hauptteil und einem Schluss. Jeder Abschnitt weist dabei eine andere Funktion auf.

Einleitung

Um auf das Thema, welches behandelt werden soll, gezielt aufmerksam zu machen, ist es entscheidend, kurz zu erwähnen, weshalb man sich überhaupt mit dieser Thematik befasst. Sinnvolle Möglichkeiten, zur Fragestellung hinzuführen, sind:

  • – Bezug aus Nachrichten aufgrund von politischem, gesellschaftlichen oder wirtschaftlichem Interesse: Wer darauf zurückgreift, muss die Quelle (zum Beispiel „ARD“ oder „SZ“ etc.) sowie das Veröffentlichungsdatum nennen!
  • – ein persönliches Erlebnis oder Erfahrungen aus dem Umfeld: Wenn es zum Beispiel um Alkoholverbot für Jugendliche geht, könnte man eine kürzlich miterlebte Alkoholvergiftung eines Betroffenen anführen.
  • – ein historisches Ereignis: Dieser Ansatz ist vor allem dann zu empfehlen, wenn es um neue Entwicklungen geht, an welchen vielleicht zu früherer Zeit in anderer Form gearbeitet wurde.
  • Definition: Manche Fragestellungen sind sehr offen gestellt, so dass eine klare Definition der vorgestellten Maßnahme notwendig ist! Denn für jeden Leser muss es möglich sein, die Ausführungen von der gleichen Basis ausgehend zu verstehen. Wenn zum Beispiel erörtert werden soll, ob nur noch Onlineunterricht von zu Hause aus stattfinden soll, muss eine konkrete Maßnahme vorgestellt werden, da ansonsten zu viele verschiedene Varianten beim Leser erzeugt werden können.

Wenn die Themenfrage nicht bereits aus dem „Aufhänger“ hervorgeht, muss sie explizit erwähnt werden, bevor ein Überleitungssatz zum Hauptteil folgt. Aus diesem Satz muss ersichtlich werden, dass ein Sachverhalt hinsichtlich seiner negativen und positiven Aspekte abgewogen wird.

Ein grober Fehler innerhalb der Einleitung wäre es, Argumente vorwegzunehmen, die Bestandteil des Hauptteils sein sollen.

Bewährt hat sich ein Umfang von zwischen 50 und 100 Wörtern.

Hauptteil

Der Hauptteil besteht aus mehreren Argumentationsblöcken. Die Anzahl ist in der Regel vorgegeben. Gibt es keine Vorgabe, sollten bei einer dialektischen Erörterung mindestens drei Pro- und drei Contra-Argumente ausformuliert werden. Jeder Block beinhaltet:

  • eine These (Pro- oder Contra): Nicht in jedem Argumentationsblock muss das Wort Pro oder Contra vorkommen, aber es muss ersichtlich sein, welche Position an der Stelle eingenommen wird. Dies kann zum Beispiel auch über Verknüpfungswörter geschehen. Wenn man den ersten Argumentationsblock mit Pro ausformuliert hat und einen weiteren positiven Aspekt im nächsten Block anführen will, dann helfen Wörter wie:

 

Außerdem, Des Weiteren, Ebenso, Hinzu kommt, Zusätzlich, Nicht nur……,sondern auch, ….

Wenn man dann zum Beispiel zum Contra-Teil überleiten möchte, unterstützen Phrasen wie:

Andererseits, Im Gegensatz dazu, Jedoch, Auf der anderen Seite, Viel wichtiger aber…,….

  • eine Behauptung: Diese besteht in der Regel aus Oberbegriffen wie zum Beispiel „Förderung der (Gesundheit)“, „Optimierung des (Berufslebens)“, „Vernachlässigung der (Sozialkompetenz)“, „Benachteiligung der (Minderheitsgruppen)“, die als Satz in den Fließtext integriert werden.
  • eine Begründung/Erklärung/Vertiefung: Hier erfolgt eine ausführliche Erklärung, warum etwas beispielsweise förderlich für die Gesundheit ist. Außerdem muss stets der thematische Zusammenhang zur Fragestellung bestehen bleiben. Wenn es in der Frage also um etwas geht, das beispielsweise eine bestimmte Institution betrifft, dann reicht es nicht, allgemein über das Thema zu schreiben, sondern dann muss konkret Bezug auf diese Einrichtung genommen werden.
  • ein Beispiel/Beleg/Beweis: Wenn es Studien oder Statistiken gibt, sollten diese einbezogen werden. Persönliche Beispiele dürfen verwendet werden, aber man sollte beachten, dass die häufig weniger überzeugend sind als etwas, was einer größeren Gruppe widerfahren ist. Im Idealfall kann man sowohl auf ein persönliches als auch auf ein offiziell bestätigtes Beispiel zurückgreifen. Dies untermauert das angeführte Argument umso mehr.
  • eine Rückführung: Es genügen ein bis zwei Sätze. Man erwähnt im Prinzip nur nochmals kurz sein Argument und schließt daraus, dass etwas sinnvoll ist oder eben nicht. Zum Beispiel: „Aufgrund der erwähnten gesundheitlichen Aspekte, die berücksichtigt werden müssen, sollten (also) keine weiteren Krankenhäuser abgebaut werden.“

Wenngleich dies die klassische Reihenfolge ist, ist es nicht verboten, den Argumentationsblock mit einem Beispiel zu beginnen, wenn sich dies an einer Stelle besonders anbietet. Wichtig ist vor allem, dass alle Elemente vorhanden sind.

Schluss

Nachdem alle möglichen Seiten betrachtet worden sind, muss schließlich ein Fazit gezogen werden, welches die Position des Verfassers deutlich herausstellt. Dabei sollten alle wesentlichen Argumente nochmals zusammenfassend erwähnt werden. Darüber hinaus empfiehlt es sich, einen Vorschlag oder zumindest eine Kompromisslösung zu unterbreiten. Denkbar ist auch ein Ausblick, wie es voraussichtlich in einer Angelegenheit weiter gehen wird.

Tipps

1. Man sollte vor dem Verfassen der Erörterung eine Stoffsammlung anlegen, in der man alle Gedanken zu dem Thema notiert, um sie gleich sortieren und gruppieren zu können.

2. Wer die Pro- und Contra-Argumente nicht abwechselt, sondern erst eine Seite und dann die andere beleuchtet, sollte zuerst die Seite anführen, von der man selbst weniger überzeugt ist.

3. Grundsätzlich sollte die Anordnung der Argumente so gestaltet sein, dass die schwächeren zuerst, die stärksten am Schluss kommen.

4. Am Ende sollte überprüft werden, ob die Ausformulierungen als glaubwürdig, authentisch, nachvollziehbar und plausibel gelten können. Sobald man an einer Stelle immer noch danach fragen könnte, warum etwas wie beschrieben sein sollte, genügen die Ausführungen noch nicht.

5. Zwischen der Einleitung und dem Hauptteil, zwischen den einzelnen Argumentationsblöcken sowie zwischen dem Hauptteil und dem Schluss sollte jeweils ein Absatz gelassen werden, um die Lesbarkeit zu erhöhen.

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