Was ist eine Anapher? – Beispiele, Wirkung & Erklärung

Die Anapher ist ein der Repetitio ähnliches rhetorisches Stilmittel, bei dem ein oder mehrere Wörter oder eine Wortgruppe in einem kontextuellen Zusammenhang wiederholt werden. Sie gehört zur großen Gruppe der stilistischen Wiederholung, wie etwa auch Epipher, Symploke oder Anadiplose.

Die Herleitung aus dem Griechischen kann man in etwa mit Rückbeziehung übersetzen, d. h. sie ist ein Verweis auf andere (früher erwähnte) Textstellen. Meist am Satzanfang, aber gelegentlich auch innerhalb eines Satzes oder bei der Einleitung anderer Absätze. Die Strukturierung und die Gliederung eines Textes kann mit diesem relativ einfachen Ausdrucksmittel so in einen rhythmischen Fluss gebracht werden.

Grundsätzlich ist der Einsatz von Anaphern dazu gedacht, dem Text oder der Botschaft einen bestimmten Rhythmus zuzuweisen, um die Aussage zu betonen und hervorzuheben. Durch die Wiederholung von Textpassagen wird die Intention auf bestimmte Punkte oder Themen gelegt oder verstärkt.

Wirkung und Einfluss

Durch den gezielten Einsatz von Anaphern kann die Aufmerksamkeit beim Zuhörer oder Leser gesteigert werden. Die Verdeutlichung von Kernaussagen können hiermit hervorgehoben und ihre Wirkung intensiviert werden.
Anaphern werden gerne in der Werbung eingesetzt, um ein Produkt bedeutsam anzupreisen. Durch das wiederholte Nennen des Namens wird der Konsument an die Werbung gefesselt und das Produkt somit in sein Gedächtnis nachhaltig und eindringlich „verankert“.

Auch Politiker setzen Anaphern mehr oder weniger gekonnt in ihren Reden ein, um ihre Zuhörerschaft emotional an ihre Rede und Aussagen zu binden und daher umso überzeugender zu wirken. Sie erhoffen sich dadurch, dass ihre Rede langfristig im Gedächtnis hängen bleibt.

Man kann sagen, die Wiederholung erzeugt Neugier und der Leser oder Zuhörer wird nahezu gezwungen, dem Text oder dem Beitrag zu folgen. Anaphern können sich auch durch den ganzen Text hindurchziehen, um der Bedeutung der Worte Nachdruck zu verleihen. Gerade am Ende einer Rede kann man die Aussage des Textes dem Leser oder Zuhörer nochmals ins Gedächtnis rufen.

Beispiele

In lyrischen Gedichten und religiösen Werken, darunter die Bibel, finden sich zahlreiche Anaphern. Ferner kommen sie in Erzählungen, Reden und Romane vor. Aber auch alltägliche Floskeln können so in ihrer Wirkung verstärkt werden.

• Müssen wir nicht … tun? Und müssen wir nicht auch das … berücksichtigen?
• Ich will nicht lernen, ich will nicht mein Zimmer aufräumen, ich will nicht …
• Nero war ein römischer Kaiser. Nero war größenwahnsinnig. Nero hat Rom in Brand gesteckt.

oder sehr bekannte klassische Beispiele
• Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen. (Friedrich Schiller: Die Verschwörung des Fiesco zu Genua)
• Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Bibel)
• Und läuft. Und läuft. Und läuft. (VW Käfer-Werbung)

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